Eine Firma stellt eine feste Menge her. Dafür gibt es viele Rezepte. Welches ist das billigste?
Ein Rezept sagt, wie viel die Firma von Faktor 1 und von Faktor 2 einsetzt. Der Fachname ist Faktorkombination. Kurz schreibt man das Rezept als Punkt (r1∣r2): erst r1, dann r2.
Rezepte für 40 ME
Alle vier Rezepte liefern 40 ME. Bei allen ist das Produkt r1⋅r2 gleich 16.
r2(r1)=r116,r1>0
Gelesen wird das wie f(x): r1 geht hinein, r2 kommt heraus. Die Menge x=40 ME steht auf keiner Achse. Sie steht als Name an der Kurve.
Was die Rezepte kosten
Die Faktorpreise heißen q1 und q2. Ein Rezept kostet:
K=q1⋅r1+q2⋅r2
Die Kosten fallen erst und steigen dann. Der billigste Punkt liegt zwischen r1=4 und r1=16. Probieren findet ihn nicht genau.
Weg 1: die Kosten als Funktion von r1
K(r1)=3r1+r1192
Die Menge bleibt fest bei 40 ME. Nur das Rezept ändert sich.
Minimalkostenkombination (MKK): (8∣2), Kmin=48 GE. Das ist noch billiger als 49,2 GE bei r1=10.
Schema 1
1. Kosten aufstellen: K=q1r1+q2r2 2. Isoquante für r2 einsetzen: K(r1) 3. K′(r1)=0 lösen, nur r1 aus dem Definitionsbereich 4. K′′(r1)>0: Minimum 5. r2 aus der Isoquante 6. Kmin=q1r1+q2r2 7. Antwort: MKK (r1∣r2), Kmin in GE
Beispiele
Das Neue ist jeweils orange.
a) Andere Menge. Isoquante r2=r136 für 60 ME, q1=3, q2=12.
K(r1)K′(r1)(r1−2)2r1−2r1K′′(6)r2Kmin=2r1+r1−232+8=2−(r1−2)232=0=16=4 oder −4=6=6464=1>0=44+1=2=12+16=28
r1=−2 entfällt, denn r1>2. MKK (6∣2), Kmin=28 GE.
Merken: Die Isoquante für r2 in die Kosten einsetzen. Dann ist die MKK der Tiefpunkt von K(r1).
Jetzt ihr
a) Jetzt du: Isoquante r2=r118, q1=2, q2=4. Bestimmt MKK und Kmin.
Lösung
MKK (6∣3), Kmin=24 GE
Übungen 1
Berechnet die MKK und die minimalen Kosten.
Jetzt ihr
a) r2=r150, q1=2, q2=4
Lösung
MKK (10∣5), Kmin=40 GE) b) r2=r12250, q1=8, q2=2 (Lösung: MKK (5∣10), Kmin=60 GE) c) r2=r1−38+2, r1>3, q1=4, q2=2 (Lösung: MKK (5∣6), Kmin=32 GE
Lösungen Schritt für Schritt
Jetzt ihr
a) Rechenweg zu Übung 1a
Lösung
K(r1)=2r1+r1200; K′(r1)=2−r12200=0, also r12=100, r1=10; K′′(10)=1000400=0,4>0; r2=1050=5; Kmin=20+20=40 GE) b) Rechenweg zu Übung 1b (Lösung: K(r1)=8r1+r12500; K′(r1)=8−r131000=0, also r13=125, r1=5; K′′(5)=6253000=4,8>0; r2=25250=10; Kmin=40+20=60 GE) c) Rechenweg zu Übung 1c (Lösung: K(r1)=4r1+r1−316+4; K′(r1)=4−(r1−3)216=0, also (r1−3)2=4, r1=5; r1=1 entfällt, denn r1>3; K′′(5)=832=4>0; r2=28+2=6; Kmin=20+12=32 GE
Isokostenlinien
r2=5−0,25r1
Alle Rezepte auf dieser Geraden kosten 60 GE.
r2=q2K−q2q1⋅r1
Jetzt ihr
a) Jetzt du: q1=6, q2=3, K=30. Stellt die Isokostenlinie auf.
Lösung
r2=330−36⋅r1=10−2r1, Achsenabschnitte (0∣10) und (5∣0)
Berühren statt schneiden
Vom Marktgleichgewicht kennt ihr: gleichsetzen, der Schnittpunkt ist das Ergebnis. Hier nicht.
Der Berührpunkt (8∣2) ist die MKK. Er liegt genau über dem Tiefpunkt T(8∣48) von K(r1).
Merken: Schneidet eine Isokostenlinie die Isoquante zweimal, geht es billiger. Die MKK liegt, wo eine Isokostenlinie die Isoquante berührt.
Weg 2: gleiche Steigung
Im Berührpunkt ist die Isokostenlinie die Tangente der Isoquante. Die Steigung der Isoquante ist r2′(r1).
Dasselbe Rezept wie auf Weg 1, und K kam erst am Ende heraus.
Jede Ableitung gibt ungefähr die Änderung für eine Einheit mehr an, wie die Grenzkosten K′(x). Die Menge bleibt 40 ME, denn das Rezept wandert auf der Isoquante.
Merken: Im Berührpunkt sind beide Steigungen gleich: r2′(r1)=−q2q1. Dieser Punkt ist die MKK.
Schema 2
1. Isoquante ableiten: r2′(r1) 2. r2′(r1)=−q2q1 lösen, nur r1 aus dem Definitionsbereich 3. r2 aus der Isoquante 4. Kmin=q1r1+q2r2 5. Isokostenlinie: r2=q2Kmin−q2q1r1 6. Krümmung: r2′′(r1)>0 7. Antwort: MKK (r1∣r2), Kmin in GE
d) Rückwärts. Isoquante r2=r116. Bei welchem Preisverhältnis ist (2∣8) die MKK?
r2′(2)−4q2q1=−416=−4=−q2q1=4
q1:q2=4:1, zum Beispiel q1=12 GE je ME und q2=3 GE je ME.
Jetzt ihr
a) Jetzt du: Isoquante r2=r132, q1=2, q2=4. Bestimmt MKK, Kmin und die Isokostenlinie der MKK.
Lösung
MKK (8∣4), Kmin=32 GE, r2=8−0,5r1
Wenn ein Faktor teurer wird
Der r2-Abschnitt q2K hängt nicht von q1 ab. Darum dreht sich die Linie um den Punkt (0∣4).
Merken: Ein anderes K verschiebt die Isokostenlinie parallel, ein anderer Preis dreht sie. Für die Lage der MKK zählt nur q2q1.
Übungen 2
Bestimmt mit gleichen Steigungen MKK, Kmin und die Isokostenlinie der MKK.
Jetzt ihr
a) r2=r112, q1=3, q2=4
Lösung
MKK (4∣3), Kmin=24 GE, r2=6−0,75r1) b) r2=r1−12+3, r1>1, q1=6, q2=3 (Lösung: MKK (2∣5), Kmin=27 GE, r2=9−2r1) c) Isoquante r2=r136: Bei welchem Preisverhältnis ist (9∣4) die MKK? (Lösung: q1:q2=4:9) d) Isoquante r2=r112, q1=3. Faktor 2 wird teurer: q2=9 statt 4. Neue MKK? Was kostet das alte Rezept (4∣3) jetzt? (Lösung: neue MKK (6∣2), Kmin=36 GE; das alte Rezept kostet 39 GE
Lösungen Schritt für Schritt
Jetzt ihr
a) Rechenweg zu Übung 2a
Lösung
−r1212=−43, also r12=16, r1=4; r2=3; Kmin=12+12=24; r2=424−43r1=6−0,75r1; r2′′=r1324>0) b) Rechenweg zu Übung 2b (Lösung: −(r1−1)22=−36, also (r1−1)2=1, r1=2; r1=0 entfällt, denn r1>1; r2=12+3=5; Kmin=12+15=27; r2=9−2r1; r2′′=(r1−1)34>0) c) Rechenweg zu Übung 2c (Lösung: r2′(9)=−8136=−94=−q2q1, also q2q1=94, zum Beispiel q1=4 und q2=9) d) Rechenweg zu Übung 2d (Lösung: −r1212=−93, also r12=36, r1=6; r2=2; Kmin=18+18=36; r2=4−31r1; r2′′=r1324>0; altes Rezept: 3⋅4+9⋅3=39 GE
MKK und Kostenfunktion
Menge x
Isoquante
MKK
Kmin
40 ME
r116
(8∣2)
48 GE
60 ME
r136
(12∣3)
72 GE
Die Kostenfunktion K(x) rechnet damit, dass die Firma jede Menge mit ihrer MKK herstellt. Beide Faktoren wachsen mit der Menge. Ihre Kosten sind darum variable Kosten Kv(x). Dazu kommen die Fixkosten: K(x)=Kv(x)+Kf.
Jetzt ihr
a) Jetzt du: Für 90 ME gilt die Isoquante r2=r181. Berechnet Kv(90) bei q1=3 und q2=12.
Lösung
MKK (18∣4,5), Kv(90)=54+54=108 GE
Theorie: warum gleiche Steigung?
Warum liefern beide Wege dasselbe Rezept?
Mit Faktor- und Summenregel abgeleitet. 1 ME Faktor 1 mehr kostet q1. Dabei ändert sich r2 um etwa r2′(r1) ME, und das ändert die Kosten um q2⋅r2′(r1). Im Beispiel ist q1=3 und q2=12.
Die gleiche Steigung ist also die notwendige Bedingung K′(r1)=0, nur umgestellt. Ebenso die zweite Ableitung: