Eine Firma will eine feste Menge herstellen. Welches Rezept ist dafür am billigsten?
Wie findet man diesen Punkt, ohne die ganze Kurve abzulaufen? Dafür gibt es zwei Rechenwege. Zuerst braucht ihr die Kurve selbst.
Rezepte für 40 ME: die Isoquante
Eine Firma stellt 40 ME her. Diese Menge heißt Ausbringungsmengex. Sie braucht zwei Produktionsfaktoren (das, was in die Produktion hineingeht, zum Beispiel Arbeit und Maschinen): Faktor 1 und Faktor 2.
So ein Rezept heißt Faktorkombination. Kurz schreibt man den Punkt (2∣8): erst r1, dann r2.
Die Firma kann auch andere Rezepte nehmen.
Was haben die vier Rezepte gemeinsam?
Aus diesem Muster wird eine Formel.
Mit der Formel rechnet ihr jedes Rezept aus.
Weg 1: die Kosten als Funktion von r₁
Was ein Rezept kostet
Faktor 1 kostet q1=3 GE je ME, Faktor 2 kostet q2=12 GE je ME. Das sind die Faktorpreise. Die Firma zahlt beide.
Das billigste Rezept kennt ihr aus dem Bild oben: (8∣2) für 48 GE. Durch Probieren findet man es nicht sicher. Ihr braucht eine Rechnung.
Eine Variable weniger
Die Kosten hängen noch von r1 und r2 ab. Die Isoquante sagt, wie r2 von r1 abhängt.
Die Menge bleibt 40 ME, nur das Rezept ändert sich.
Das Bild zu K(r₁)
Jedes Rezept hat einen Preis. Diese Preise tragt ihr unter der Isoquante auf.
Den Tiefpunkt berechnen
Zum Ableiten schreibt ihr den Bruch als Potenz:
K(r1)=3r1+192r1−1
Notwendige Bedingung: Der Exponent −1 wandert nach vorn.
d) Eine Lösung entfällt:r2=r1−24+1, r1>2, q1=2, q2=8
Zuerst das Bild dieser Isoquante:
K(r1)=2r1+8⋅(r1−24+1)=2r1+r1−232+8
K′(r1)(r1−2)2=2−(r1−2)232=0=16
Also r1−2=4 oder r1−2=−4, das heißt r1=6 oder r1=−2. r1=−2 entfällt: Es liegt sogar links der r2-Achse; Rezepte gibt es nur rechts der gestrichelten Linie r1=2.
Merken: Isoquante für r2 in die Kosten einsetzen. Dann hängen die Kosten nur noch von r1 ab, und die MKK ist ihr Tiefpunkt.
Übungen 1
Berechnet die Minimalkostenkombination und die minimalen Kosten.
Jetzt ihr
r2=r118, q1=2, q2=4
Lösung
K(r1)=2r1+r172; K′(r1)=2−r1272=0, also r12=36, r1=6; K′′(6)=216144>0; r2=3; Kmin=12+12=24; MKK (6∣3), 24 GE
Jetzt ihr
a) r2=r150, q1=2, q2=4
Lösung
K(r1)=2r1+r1200; K′=2−r12200=0, also r12=100, r1=10; K′′(10)=1000400=0,4>0; r2=5; Kmin=20+20=40; MKK (10∣5), 40 GE) b) r2=r12250, q1=8, q2=2 (Lösung: K(r1)=8r1+r12500; K′=8−r131000=0, also r13=125, r1=5; K′′(5)=6253000=4,8>0; r2=25250=10; Kmin=40+20=60; MKK (5∣10), 60 GE) c) r2=r1−38+2, r1>3, q1=4, q2=2 (Lösung: K(r1)=4r1+r1−316+4; K′=4−(r1−3)216=0, also (r1−3)2=4, r1=5; r1=1 entfällt, denn r1>3; K′′(5)=832=4>0; r2=28+2=6; Kmin=20+12=32; MKK (5∣6), 32 GE
Weg 2: im Bild der Rezepte
Weg 1 findet die MKK als Tiefpunkt eines zweiten Graphen. Weg 2 findet denselben Punkt (8∣2) direkt im Bild der Isoquante. Dafür braucht ihr Linien gleicher Kosten.
Rezepte mit gleichen Kosten
Zwei Rezepte aus Weg 1 kosten gleich viel.
Wo trifft die Linie die Achsen, und wie steil ist sie?
Allgemein, Gleiches über Gleichem:
r2r2=1260−123⋅r1=q2K−q2q1⋅r1
Jetzt ihr
q1=6, q2=3, K=30. Stellt die Isokostenlinie auf.
Lösung
r2=330−36⋅r1=10−2r1; Achsenabschnitte (0∣10) und (5∣0)
Berühren statt schneiden
Die Linie für 60 GE schneidet die Isoquante zweimal. Was passiert mit weniger Geld?
Und mit noch weniger Geld?
Merken: Schneidet eine Isokostenlinie die Isoquante zweimal, geht es billiger. Die MKK liegt dort, wo eine Isokostenlinie die Isoquante berührt.
Zur Kontrolle rechnerisch: Wie viele gemeinsame Punkte hat die Linie mit der Isoquante? Setzt beide gleich, für ein beliebiges K. Schritt für Schritt:
r1=−8 entfällt. Dann r2=816=2 und Kmin=3⋅8+12⋅2=48.
MKK (8∣2), Kmin=48 GE. Dasselbe Rezept wie in Weg 1, und K kam erst am Ende heraus.
Was r₂′ sagt
Jede Ableitung gibt ungefähr die Änderung für eine Einheit mehr an, so wie die Grenzkosten K′(x). Hier: 1 ME Faktor 1 mehr, dann ändert sich r2 um etwa r2′(r1) ME. Die Menge bleibt 40 ME.
Die Tangente zeigt die Änderung nur ungefähr. Bei (2∣8) ist der Unterschied groß: Auf der Kurve sinkt r2 von 8 auf 316≈5,33, also um 2,67 statt 4. Bei (8∣2) passt es gut: r2(9)=916≈1,78, also etwa 0,22 statt 0,25 weniger.
Von links nach rechts wächst die Steigung: −4<−1<−0,25<−0,0625. Eine ME Faktor 1 mehr ersetzt immer weniger Faktor 2, je mehr Faktor 1 schon im Rezept ist.
Warum der Berührpunkt das billigste Rezept ist
Weil die Steigung wächst, ist die Isoquante linksgekrümmt. Rechnerisch:
r2′′(r1)=32r1−3=r1332>0
für r1>0.
Merken: Im Berührpunkt sind beide Steigungen gleich: r2′(r1)=−q2q1. Ist die Isoquante linksgekrümmt, ist dieser Punkt die MKK.
Schema: MKK über gleiche Steigungen (Weg 2)
1. Isoquante ableiten: r2′(r1) (hier −r1216) 2. Gleiche Steigung: r2′(r1)=−q2q1 lösen, nur r1 aus dem Definitionsbereich behalten (hier r1=8) 3. Krümmung prüfen: r2′′(r1)>0, also Kostenminimum (hier r1332>0) 4. r2 berechnen: r1 in die Isoquante einsetzen (hier 2) 5. Kmin=q1⋅r1+q2⋅r2 (hier 48) 6. Isokostenlinie der MKK: r2=q2Kmin−q2q1⋅r1 (hier 4−0,25r1) 7. Antwort: MKK (r1∣r2), Kmin in GE
d) Umgekehrte Frage:r2=r116. Bei welchem Preisverhältnis ist (2∣8) die MKK? Bekannt ist jetzt r1=2, gesucht ist q2q1.
r2′(2)−q2q1=−416=−4=−4
q1:q2=4:1, zum Beispiel q1=12 und q2=3 GE je ME.
Jetzt ihr
r2=r132, q1=2, q2=4. Bestimmt MKK, Kmin und die Isokostenlinie der MKK.
Lösung
−r1232=−0,5, also r12=64, r1=8; r2′′=r1364>0; r2=4; Kmin=16+16=32; r2=8−0,5r1; MKK (8∣4), 32 GE
Wenn ein Faktor teurer wird
Die Regel dieses Abschnitts: Ein anderes K verschiebt die Isokostenlinie nur parallel. Ein anderes Preisverhältnis q2q1 dreht sie, dann wandert die MKK.
Faktor 1 wird teurer: q1=12 statt 3 GE je ME, q2=12 bleibt. Die Isoquante bleibt, denn welche Rezepte 40 ME liefern, hängt nicht von den Preisen ab.
Halbieren sich dagegen beide Preise, q1=1,5 und q2=6, bleibt die Steigung −61,5=−0,25. Die MKK bleibt (8∣2), nur die Kosten halbieren sich: 1,5⋅8+6⋅2=24 GE.
Merken: Ein anderes K verschiebt die Isokostenlinie parallel, ein anderer Preis dreht sie. Für die Lage der MKK zählt nur das Preisverhältnis q2q1.
Übungen 2
Bestimmt mit gleichen Steigungen die MKK, Kmin und die Isokostenlinie der MKK.
Jetzt ihr
a) r2=r112, q1=3, q2=4
Lösung
−r1212=−43, also r12=16, r1=4; r2′′=r1324>0; r2=3; Kmin=12+12=24; r2=6−0,75r1; MKK (4∣3), 24 GE) b) r2=r1−12+3, r1>1, q1=6, q2=3 (Lösung: −(r1−1)22=−2, also (r1−1)2=1, r1=2; r1=0 entfällt, denn r1>1; r2′′=(r1−1)34>0; r2=5; Kmin=12+15=27; r2=9−2r1; MKK (2∣5), 27 GE) c) r2=r136. Bei welchem Preisverhältnis ist (9∣4) die MKK? (Lösung: r2′(9)=−8136=−94, also q1:q2=4:9, zum Beispiel q1=4, q2=9) d) r2=r112, q1=3. Faktor 2 wird teurer: q2=9 statt 4. Bestimmt die neue MKK und die Kosten des alten Rezepts (4∣3) zu den neuen Preisen. (Lösung: −r1212=−93, also r12=36, r1=6; r2=2; Kmin=18+18=36; r2=4−31r1; altes Rezept: 3⋅4+9⋅3=39 GE; neue MKK (6∣2), 36 GE
MKK und Kostenfunktion
Bisher war die Menge fest: 40 ME. Was kostet eine andere Menge? Die Preise bleiben q1=3 und q2=12. Zuerst: Es gibt jetzt zwei Kostenfunktionen.
Funktion
Was läuft?
Was ist fest?
Ausgabe
K(r1)
das Rezept r1
Menge 40 ME
Kosten des Rezepts
Kv(x)
die Menge x
jeweils das billigste Rezept
Kosten der MKK
Für 60 ME kennt ihr die MKK aus Beispiel a): (12∣3) für 72 GE. Für 90 ME gilt r2=r181:
−r1281r12r1=−0,25=324=18
r2=4,5 und Kmin=54+54=108 GE.
Dazu kommt die dritte Menge, 90 ME.
Warum eine Gerade durch den Ursprung? Legt die drei MKK nebeneinander:
Menge
Faktor 1
Faktor 2
Kosten
40
8
2
48
60
12
3
72
90
18
4,5
108
Bei diesen Isoquanten ist r1=0,2x und r2=0,05x: Beide Faktoren wachsen im selben Verhältnis wie die Menge. Dann gilt
Kv(x)=3⋅0,2x+12⋅0,05x=0,6x+0,6x=1,2x
Das gilt für diese Isoquanten. Bei anderen Isoquanten muss Kv(x) keine Gerade sein.
Die Kostenfunktion rechnet damit, dass die Firma jede Menge mit ihrer MKK herstellt. Beide Faktoren wachsen mit der Menge. Darum sind das variable Kosten: Kv(40)=48 GE, Kv(60)=72 GE. Dazu kommen wie gewohnt die Fixkosten Kf (Kosten, die auch ohne Produktion anfallen, zum Beispiel Miete): K(x)=Kv(x)+Kf.
Jetzt ihr
Für 120 ME gilt die Isoquante r2=r1144. Berechnet Kv(120) bei q1=3 und q2=12. Liegt der Punkt auf der Geraden?
Lösung
−r12144=−0,25, also r12=576, r1=24; r2=6; Kv(120)=72+72=144 GE; MKK (24∣6); 1,2⋅120=144, ja
Theorie: Warum gleiche Steigung?
Weg 1 und Weg 2 finden dasselbe Rezept. Im Weg 1 steckt die Isoquante in den Kosten. Beispiel mit q1=3 und q2=12:
An (4∣4) spart die ME Faktor 1 mehr, als sie kostet. An (16∣1) kostet sie mehr, als sie spart. Im Tiefpunkt heben sich beide Teile auf.
Im Tiefpunkt ersetzt 1 ME Faktor 1 genau so viel Faktor 2, wie sie am Markt kostet:
Zahl
Bedeutung
Isoquante
r2′(8)=−0,25
ersetzt 0,25 ME Faktor 2
Isokostenlinie
−123=−0,25
kostet so viel wie 0,25 ME Faktor 2
Ebenso die zweite Ableitung: K′′(r1)=q2⋅r2′′(r1). Im Beispiel:
K′′(r1)K′′(8)=12⋅r1332=r13384=0,75>0
Das ist dieselbe 0,75 wie in Weg 1. Ist die Isoquante linksgekrümmt, ist r2′′>0 und damit K′′>0: Der Berührpunkt ist dann immer das Kostenminimum.