Integrieren ist Ableiten, rückwärts. Zuerst das Ableiten, das kennst du.
Jetzt rückwärts: Wir integrieren x3.
Stimmt das? Wir prüfen.
Warum + c?
Beim Ableiten ist das c weggefallen. Das gilt für jede feste Zahl.
Das Ergebnis heißt Stammfunktion. Wegen +c gibt es viele davon, eine für jede Zahl c.
Die Potenzregel
Ein neues Beispiel. ∫x5dx heißt: Integriere x5. Das dx sagt: Die Variable ist x.
Das geht mit jedem Exponenten. Wir schreiben n für irgendeinen Exponenten.
Das ist die Potenzregel:
∫xndx=n+11xn+1+c
Vier Beispiele, immer dasselbe Muster.
Merken: Exponent um 1 nach oben, durch den neuen Exponenten teilen, +c dahinter.
Jetzt ihr
a) ∫x9dx
Lösung
101x10+c
b) ∫x4dx (Lösung: 51x5+c)
c) ∫xdx (Lösung: x=x1, also 21x2+c)
Eine Zahl davor: die Faktorregel
Steht eine Zahl vor der Potenz, bleibt sie erhalten. Sie kommt oben in den Bruch.
Oft lässt sich der Bruch danach kürzen:
integrieren
ergibt
3x2
33x3+c=x3+c
6x
26x2+c=3x2+c
2x5
62x6+c=31x6+c
Eine Zahl allein ist eine Zahl mal x0, denn x0=1:
∫4dx=∫4x0dx=14x1+c=4x+c
Das ist die Faktorregel (k ist eine feste Zahl):
∫k⋅f(x)dx=k⋅∫f(x)dx
Merken: Die Zahl davor bleibt stehen und kommt oben in den Bruch.
Jetzt ihr
a) ∫10x4dx
Lösung
510x5+c=2x5+c
b) ∫12x5dx (Lösung: 612x6+c=2x6+c)
c) ∫7dx (Lösung: 7x+c)
Summen: die Summenregel
Bei einer Summe integrierst du jeden Summanden für sich.
Die Probe: Ableiten gibt die Summe zurück.
(31x3+3x2−4x+c)′=x2+6x−4✓
Das ist die Summenregel:
∫(f(x)+g(x))dx=∫f(x)dx+∫g(x)dx
Noch drei Summen, Summand für Summand:
integrieren
ergibt
4x3+2x
x4+x2+c
9x2−5
3x3−5x+c
8x3−3x2+2x−7
2x4−x3+x2−7x+c
Merken: Summand für Summand integrieren, am Ende einmal +c.
Jetzt ihr
a) ∫(6x2+4x−1)dx
Lösung
2x3+2x2−x+c
b) ∫(x3−4x+2)dx (Lösung: 41x4−2x2+2x+c)
c) ∫(5x4+3x2−6)dx (Lösung: x5+x3−6x+c)
Brüche und Wurzeln integrieren
Ein Bruch mit x im Nenner ist eine Potenz mit negativem Exponenten: x31=x−3. Dann gilt die Potenzregel wie gewohnt.
Gekürzt: −21x−2=−21x−2.
Probe: (−21x−2)′=−21⋅(−2)x−3=x−3 ✓
Vorsicht bei negativen Exponenten. Um 1 größer heißt auf dem Zahlenstrahl: ein Schritt nach rechts.
Auch eine Wurzel ist eine Potenz. Ihr Exponent ist ein Bruch: x=x21.
Der neue Exponent ist 21+1=23. Durch 23 teilen heißt: mal 32.
∫x21dx=32x23+c
Bei x−21 in der Tabelle unten gilt: −21+1=21, ein Schritt nach rechts.
Funktion
als Potenz
Stammfunktion
x21
x−2
−x−1+c
x46
6x−4
−2x−3+c
3x
x31
43x34+c
x1
x−21
2x21+c
Merken: Erst als Potenz schreiben, dann wie gewohnt integrieren.
Jetzt ihr
a) ∫x41dx
Lösung
∫x−4dx=−31x−3+c
b) ∫x38dx (Lösung: ∫8x−3dx=−4x−2+c)
c) ∫x5dx (Lösung: ∫x25dx=72x27+c)
d) ∫x3dx (Lösung: ∫3x−21dx=6x21+c)
Grundintegrale: 1/x, e hoch x, sin x, cos x
Einen Exponenten schafft die Potenzregel nicht: die −1.
Aus dem Ableiten kennst du: (lnx)′=x1, (sinx)′=cosx und (cosx)′=−sinx.
Zuerst ln: Rückwärts gelesen ist ln die Stammfunktion von x1.
∫x1dx=ln∣x∣+c
Der Betrag ∣x∣ ist nötig, weil es ln nur für positive Zahlen gibt. x1 gibt es auch links von 0.
Bei sinx und cosx liest du den Kreis der Ableitungen rückwärts.
Die Grundintegrale, jedes mit Probe:
Funktion
Stammfunktion
Probe
x1
ln∣x∣+c
(ln∣x∣)′=x1
ex
ex+c
(ex)′=ex
cosx
sinx+c
(sinx)′=cosx
sinx
−cosx+c
(−cosx)′=sinx
Faktorregel und Summenregel gelten auch hier:
integrieren
ergibt
2sinx
−2cosx+c
x3
3ln∣x∣+c
ex−5sinx
ex+5cosx+c
Merken: x1, ex, sinx und cosx liest du aus der Ableitungstabelle, rückwärts. Das Minus steht bei sinx.
Jetzt ihr
a) ∫5exdx
Lösung
5ex+c
b) ∫(−4sinx)dx (Lösung: 4cosx+c)
c) ∫(6cosx+x2)dx (Lösung: 6sinx+2ln∣x∣+c)
d) ∫(x3+x1+sinx)dx (Lösung: 41x4+ln∣x∣−cosx+c)
Innen ax + b: durch a teilen
Beim Ableiten nach der Kettenregel kommt die Zahl von innen nach vorn. Beim Integrieren teilst du darum durch sie.
Probe: (31e3x)′=31⋅3e3x=e3x ✓
Steht innen noch +b, ändert das nichts. Das b fällt beim Ableiten weg.
∫cos(2x+1)dx=21sin(2x+1)+c
Funktion
Zahl a
Stammfunktion
e2x
2
21e2x+c
e−x
−1
−e−x+c
sin(3x)
3
−31cos(3x)+c
(2x+1)3
2
81(2x+1)4+c
In der letzten Zeile: außen die Potenzregel, 41(2x+1)4, dann durch 2 teilen.
Allgemein (F ist eine Stammfunktion von f):
∫f(ax+b)dx=a1F(ax+b)+c
Merken: Außen integrieren wie gewohnt, dann durch a teilen. Das b spielt keine Rolle.
Das klappt nur, wenn innen ax+b steht. Bei ex2 ist die Ableitung von innen 2x, keine feste Zahl. Durch 2x teilen geht dann nicht.
Jetzt ihr
a) ∫e4xdx
Lösung
41e4x+c
b) ∫sin(2x−3)dx (Lösung: −21cos(2x−3)+c)
c) ∫(3x−1)4dx (Lösung: 31⋅51(3x−1)5+c=151(3x−1)5+c)
d) ∫2x+51dx (Lösung: 21ln∣2x+5∣+c)
Erst umformen, dann integrieren
Für Produkte gibt es keine eigene Regel. Faktor für Faktor integrieren ist falsch: Bei ∫x⋅xdx gäbe das 21x2⋅21x2=41x4, abgeleitet aber x3, nicht x2. Darum zuerst umformen.
∫(3x2−2x)dx=x3−x2+c
Bei einem Bruch mit Summe im Zähler bekommt jeder Summand den Nenner:
∫xx2+1dx=∫(x+x1)dx=21x2+ln∣x∣+c
integrieren
umgeformt
ergibt
(2x−1)(x+3)
2x2+5x−3
32x3+25x2−3x+c
xx3+2x
x2+2
31x3+2x+c
x24x2−1
4−x−2
4x+x−1+c
Merken: Produkte ausmultiplizieren, Brüche aufteilen, dann Summand für Summand.
Jetzt ihr
a) ∫x(x+4)dx
Lösung
∫(x2+4x)dx=31x3+2x2+c
b) ∫x6x2+3dx (Lösung: ∫(6x+x3)dx=3x2+3ln∣x∣+c)
c) ∫x2x+3dx (Lösung: ∫(2x21+3x−21)dx=34x23+6x21+c)
Schema: unbestimmtes Integral
1. Umformen: ausmultiplizieren, Brüche aufteilen, Wurzeln und Brüche als Potenz schreiben. 2. Summand für Summand integrieren: Potenzregel, Grundintegrale, bei ax+b durch a teilen. Eine Zahl davor bleibt stehen. 3. Einmal +c ans Ende. 4. Probe: ableiten.
Das bestimmte Integral: Fläche unter dem Graphen
Wie groß ist die Fläche A unter f(x)=3x2+1 von x=0 bis x=2? Der obere Rand ist krumm. Für ein Rechteck gibt es eine Formel: Höhe mal Breite. Also legen wir vier Rechtecke hinein, jedes 0,5 breit. Ihre Höhen sind f(0)=1, f(0,5)=1,75, f(1)=4, f(1,5)=7,75 und f(2)=13.
Die Summe der Rechtecke mit linker Höhe heißt UntersummeU4, mit rechter Höhe ObersummeO4 (4 Rechtecke):
Also 7,25<A<13,25. Mit dünneren Rechtecken wird die Schätzung genauer. Ein zweites Beispiel, f(x)=x2 von 0 bis 3, mit 6, dann 12, dann 60 Rechtecken:
Die Summen 6,875, 7,91, 8,78 nähern sich einer Zahl: 9. Diese Zahl heißt bestimmtes Integral, geschrieben ∫03x2dx. 0 und 3 sind die Grenzen.
Ausrechnen musst du sie nicht mit Rechtecken. Die Stammfunktion F(x)=31x3 liefert sie direkt: obere Grenze einsetzen, untere Grenze einsetzen, abziehen. Dass das immer stimmt, sagt der Hauptsatz der Differential- und Integralrechnung. Hier siehst du es: Heraus kommt genau die 9.
Die Fläche ist 9 Flächeneinheiten (FE). Auch das erste Beispiel geht auf: ∫02(3x2+1)dx=[x3+x]02=10, und 10 liegt zwischen 7,25 und 13,25.
Das +c lässt du hier weg. Es fällt beim Abziehen heraus: (F(b)+c)−(F(a)+c)=F(b)−F(a).
Schema: bestimmtes Integral
Die Grenzen heißen allgemein a (unten) und b (oben).
1. Stammfunktion F bilden. Schreibweise: [F(x)]ab, die Grenzen stehen an der eckigen Klammer. 2. Obere Grenze einsetzen: F(b). 3. Untere Grenze einsetzen: F(a). 4. Abziehen: F(b)−F(a).
∫abf(x)dx=F(b)−F(a)
Vier Beispiele:
i) ∫132xdx=[x2]13=9−1=8
ii) ∫023x2dx=[x3]02=8−0=8
iii) ∫−12x2dx=[31x3]−12=38−(−31)=3
iv) ∫03(−2x)dx=[−x2]03=−9−0=−9
In iii) wird die Klammer wichtig: minus minus ergibt plus. In iv) liegt der Graph von −2x unter der x-Achse. Dann ist das Integral negativ. Eine Fläche ist nie negativ: Sie ist der Betrag, hier 9 FE.